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Fürth

 

Ein Streifzug durch die Geschichte der Kleeblattstadt

erschienen in "Die Beichte 3" - Autor: Felix Geismann

Mit dem folgenden Text möchten wir Euch die lange und stolze Geschichte unserer Heimatstadt, der Kleeblattstadt Fürth näher bringen. Von der Gründung bis zur Gegenwart, von der Verbundenheit der Stadt zu unserem Verein SpVgg Fürth und der jahrhundertealten Abneigung gegen Nürnberg. Von einigen bedeutenden Persönlichkeiten bis hin zur Rolle der Juden, die unsere Stadt entscheidend mit aufgebaut haben. "Warum?", wird sich jetzt so mancher fragen "wird dies' hier auf diesem Blog näher erläutert und nicht in einem Geschichtsbuch?" Wir sind der Auffassung, dass wir mit unserem Support nicht nur den Verein, die SpVgg unterstützen, sondern auch unsere Stadt stolz in der Welt repräsentieren. Jeder Fan der SpVgg sollte die Geschichte der Stadt kennen, in der unser aller Verein gegründet ist und in ihr so fest verwurzelt, mit ihr so fest verbunden ist wie wenige Vereine in ganz Deutschland.


Karl der Große und die Furt

Auf der Suche nach den Ursprüngen unserer Stadt müssen wir weit zurück ergehen … ins achte Jahrhundert: Gänzlich unbeobachtet von größeren menschlichen Siedlungen wand sich der Fluss in unserer Gegend durch die weitläufigen Wälder. Häufig in den Bereich der Legenden verbannt wird die Überlieferung, dass es kein Geringerer als der berühmte Frankenkaiser Karl der Große Höchstselbst war, der für die Errichtung der ältesten Fürther Kapelle St. Martin im Rednitzgrund und die Gründung der Stadt Fürth verantwortlich zeichnete. Was zumindest jene Kapelle angeht, so sprechen eine große Zahl an Indizien tatsächlich für diese Variante der Historie. So kam Karl der Große auf dem Rückweg von seinem berühmten Kanalbau (der so genannten “fossa Carolina”) ein paar Wochen vor Weihnachten des Jahres 793 nachweislich mit seinen Booten hier vorbei. Da die zur Flussüberquerung strategisch günstige Furt, welcher die Kleeblattstadt ihren Namen verdankt, die Lage eines Königshofes wahrscheinlich macht und zu jener Zeit die Schifffahrt nachts viel zu gefährlich war, wird er sich wohl hier über Nacht niedergelassen haben -- und um wieder zur Legende zurückzukehren: an der Stelle des Reliquienzeltes ordnete er den Bau jener Kapelle zu Ehren des heiligen St. Martins an, dem zu der Zeit populärsten Heiligen des Fränkischen Reiches.

Irritiert mag mancher feststellen, dass das ursprüngliche Fürth somit ja durch den Fluss getrennt vom heutigen Altstadtbereich im Tal lag. Doch geht man davon aus, das die Rednitz vor tausend Jahren wesentlich weiter westlich verlief und die St. Martinskapelle folglich samt vermutlichem Königshof auf der selben Uferseite wie auch der Siedlungskern um die heutige Hauptkirche St. Michael lagen, erscheint das Gesamtbild schlüssig: Keimzelle Fürths war die damalige Haupttrasse als gerade Achse zwischen Gustavstraße, St. Martinskapelle und der bedeutenden Furt mit Verlängerung in der Feldstraße.


Die drei Blätter des Kleeblattes

In der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts endete die expansive Bewegung des Frankenreiches gen Osten und die Stabilität die es Karl dem Großen zu verdanken hatte geriet ins Wanken. Erstmals fielen umgekehrt sogar feindliche Völker tief ins Reich ein. Die katastrophalen Überfälle der Ungarn verschonten auch Fürth nicht und hatte man vorher Vorteile wie die möglichst große Nähe zum mit Schiffen befahrbaren Fluss als wichtigsten Faktor angesehen, so musste man spätestens jetzt die offenen Bauweisen der Königshöfe durch strategisch sicherere und wehrhaftere Varianten ablösen: Man gab den Talgrund auf und verlegte sich auf den Hügel der heutigen Altstadt. Vorstellen kann man sich diesen Ort als eine wachsende Ansammlung von Höfen umgebene so genannte Wehrkirche.

Doch die strategische Lage war nicht einwandfrei: Die zu flach ausgefallene Anhöhe Fürths bot nach Süden und Osten zu wenig Schutz und so kam die Stunde einer wesentlich jüngeren Ansiedlung östlich von Fürth: auf einem ziemlich perfekt im Talkessel gelegenen Sandsteinfelsen hatte man eine größere Burg errichtet, in deren Schutz sich rasch die Stadt Nürnberg entwickelte. Fürth war für die Reichspolitik kein großer Faktor mehr und so berichtet die erste urkundliche Belegung unserer Stadt von einem an sich negativen Ereignis: am 1. November 1007 verschenkte Heinrich II. den Ort an seine kirchliche Stiftung in Bamberg. Für 17 Jahre entzog man Fürth sogar das Marktrecht und der Ort nahm an Größe und Einwohnerzahl ab.

Konrad II. hieß der Burggraf von Nürnberg, der die Rechte über Fürth gemäß seinem Beinamen “der Fromme” zurück an die Kirche in Bamberg verschenkte und das Chaos perfekt machte. Seine Familie konnte und wollte sich damit nicht abfinden und die Streitigkeiten führten zu einem machtpolitischen Gebilde, das Fürth über Jahrhunderte prägte, die “Dreiherrschaft”. Weder die Ansbacher Markgrafen noch die Reichsstadt Nürnberg ließen die Vorherrschaft des Domkapitel Bamberg gelten und jeder der drei beanspruchte die Herrschaft über Fürth, jeder führte sein eigenes Gericht, jeder hatte seine eigenen Untertanen in ein und der selben Stadt und in ihrer Gesamtheit hatte sie bis zu 8 Bürgermeister, jeweils drei Bamberger und Nürnberger sowie zwei markgräfliche! Zu kuriosen Szenen kam es besonders bei der Verfolgung von Straftätern, denn dann brach jedes Mal ein Wettlauf um den Verbrecher aus, um diesen vors eigene Gericht zu bringen um die Gebühren zu kassieren. Bei Mordfällen beeilte man sich wiederum die Leiche in den eigenen Machtbereich zu bringen um so die hohe Gerichtsbarkeit geltend zu machen. Fürth wurde zum Spielball der Machthaber und hunderte von Streitschriften befassten sich mit dem Thema wer nun der eigentliche Herr über Fürth war. Aber auch weniger wissenschaftlich ging man zur Tat, wie folgende Episode aus der Fürther Stadtchronik vom August 1709 amüsant beschreibt:

"Im August 1709 war der Markgraf mit seinem Hofstaat hier. Bei der Dooser Brücke wurde ein kleines Lager aufgeschlagen für zwei Compagnien Dragoner und seine Leibgarde. Am 16. August speiste er öffentlich (bei Wirt Kron) und ließ dabei einen Affen sehen, den er als Nürnberger Ratsherren hatte kleiden lassen […]"

Wer nun glaubt, die Dreiherrschaft hätte Fürth nur geschadet, der irrt sich fatal. Nachdem Fürth im Dreißigjährigen Krieg 1632 bzw. 1634 bis auf wenige Gebäude zerstört wurde bewies sich dass drei Herrscher nicht nur hieß “zwei zu viel” sondern oftmals auch ein fantastisches Macht-Vakuum eröffnete, indem sich besonders das Handwerk frei von strengen Zunftzwängen prächtig entwickeln konnte. Gesellen und Meister die zum Beispiel im strengen Nürnberg nicht zum Zuge kamen, konnten sich in Fürth frei betätigen. Zitiert sei hierzu aus dem Eintrag aus dem Taufbuch eines früheren Fürther Pfarrers:

"Dies’ ist die freundliche Gabe des Schicksals an Fürth: hier lebt man frei, jedenfalls freier als in Nürnberg, Erlangen, Schwabach oder Ansbach."

Nicht zuletzt dank dieser Gewerbefreiheit und den fortschrittlichen Wirtschaftsweisen der Markgrafen erholte sich Fürth rasch von den Zerstörungen und holte Ende des 18. Jahrhunderts sogar die Residenzstädte der deutschen Mittelstaaten in ihrer Größe ein.

Das Stadtwappen verkündet in seiner Symbolik diesen Aufschwung: Das Kleeblatt wuchs mit seinen drei Blättern: -den Markgrafen von Brandenburg/Ansbach - den Burggrafen von Nürnberg und dem Domkapitel Bamberg.


Das "fränkische Jerusalem"

Doch das Stadtwappen lässt noch eine zweite Interpretation zu: Nämlich die der drei Religionen, welche hier in einem friedlichen Neben- und Miteinander zum Wohl der Stadt wirkten. Das waren neben den Protestanten, denen sich Fürth im Zuge der Reformation zugewandt hatte, und einigen Katholiken als dritte Gruppe die Juden.

Nach der Überlieferung kamen bereits 1440 die ersten Juden nach Fürth. Als Nürnberg 1498 / 99 die zur Mehrheit im Handel tätigen Juden aus der Stadt trieb, ließen sich vor allem die wohlhabenderen im nahen Fürth nieder. Hier standen sie unter dem Schutz der Bamberger und markgräflichen Obrigkeit und bekamen zunehmend mehr Rechte. So gestand man ihnen gegen Schutzgeldzahlungen bereits 1616 eine eigene Gerichtsbarkeit zu, sie hatten das Recht beliebig Synagogen zu errichten, von dem sie bereits 1617 Gebrauch machten und Posten wie die des Rabbiners durften sie eigenmächtig besetzen. Auch im Gemeindekollegium gestand man ihnen später Mitspracherecht zu. Neben der sehr angesehenen Talmudschule, war vor allem ihr Krankenhausbau 1653 bedeutend, Fürth hatte damit das erste jüdische Krankenhaus in ganz Deutschland.

Die rasch wachsende jüdische Gemeinde dankte es ihrer Vaterstadt reichlich und sehr zum Ärger des östlichen Nachbarn beteiligten sie sich aktiv am Aufschwung der Wirtschaft, sie führten sogar ganze Gewerbezweige neu in die Kleeblattstadt ein. Doch einige Versuche der ungeliebten Reichsstadt die Juden aus Fürth zu verjagen scheiterten und so konnte man nur tatenlos zusehen, als auch die Stadt Wien schließlich die Juden der Stadt verwies und Fürth abermals erstarken ließ.

War die Spendenbereitschaft in Fürth ohnehin nie gering, so übertrafen die Stiftungen einiger jüdischer Mitbürger fast alles: den Namen wie dem des Rechtsanwaltes Alfred Louis Nathan oder des Industriellen Heinrich Berolzheimer kann wohl jeder Fürther die entsprechenden Leistungen im heutigen Stadtbild zuordnen. Auch die Errichtung des prächtigen Stadttheaters unterstützten zahlreiche jüdische Bürger, wie schon beim Vorgängerbau, großzügig.

Man kann sagen, dass Fürth mit seinem toleranten und modernen Umgang in diesen Angelegenheiten der damaligen Welt locker um einige Jahrhunderte voraus war. Es wundert daher nicht das Fürths Juden immer wieder für positive Schlagzeilen sorgten: so war der erste jüdische Rechtsanwalt genauso Fürther wie auch der erste jüdische Schulrektor, Landtagsabgeordnete und Richter. Und auch antisemitische Polemiker wie der in Fürth aufgewachsene Göring, der schon als Kind seinen Hund auf jüdische Mitbürger hetzte, konnten vorerst wenig daran ändern. Die düsteren Kapitel des dritten Reiches machten trotz allem leider auch vor unserer Stadt keinen Halt, man sah weg und nahm es hin. 1938 wurde die Synagoge zerstört, die meisten Juden ab 1941 deportiert.

Zwölf Jahre „Tausendjähriges Reich“ hinterließen in Fürth irreversible Schäden, die bis heute weit über die unbeschreibliche Auslöschung zahlloser Leben, die Vernichtung zahlloser Existenzen und Zerstörungen historischer Bausubstanz und anderer Kulturschätze hinausgehen: Vor allem die Verfolgung von Personen jüdischen Glaubens und linker Überzeugungen hat die Kulturszene aber auch die intellektuelle Oberschicht der Stadt in ihrer Gesamtheit tief greifend zerstört.

Die Stadtgemeinschaft, z. B. durch ihre Stiftungen, tragende und prägende Familien wurden ausgelöscht oder emgrierieren. Auf beiden Wegen verschwanden sie fast vollständig aus der Gegenwart und Zukunft der Stadt, viele große Söhne und Töchter der Stadt Fürth schafften es nicht einmal in die Geschichtsbücher.

Nicht zuletzt deshalb blieb auch wirtschaftlich viel Kontinuität zwischen Drittem Reich und BRD: Viele NS-Günstlinge wurden ab 1945 inhaftiert, in den als "Persilscheinfabriken" verspotteten Gerichtsverfahren jedoch als "Mitläufer" eingestuft und konnten weitestgehend schadfrei weiterarbeiten -- Meistens unverändert mit vormals jüdischem Besitz: Mal weil die Eigentumsübergabe in juristischem Graubereich stattfand, mal weil ganze Familien in KZs ausgelöscht wurden, viele die das Unheil kommen sahen Suizid begingen oder aus dem Exil nicht zurückkehrten und folglich keine Ansprüche mehr geltend machen konnten oder wollten.


Tausend Jahre Derby

Da wären wir nun also nach einigen Kapiteln angelangt bei jenem "Brennpunkt" beider Stadtgeschichten. Häufig hört man die Frage, ob diese Feindschaft zwischen Nürnberg und Fürth so denn notwendig sei und vor allem: war das denn schon immer so? Eigentlich lässt sich da mit ziemlicher Bestimmtheit sagen: Ja! - Quasi ab Gründung trat das wesentlich jüngere Nürnberg in Rivalität mit unserer Stadt. Wie ja schon weiter oben erwähnt grub jener Nachbar im Osten dank seiner strategischen Vorteile unserem schönen Ort vor allem wirtschaftlich massiv das Wasser ab; musste jedoch umgekehrt später ohnmächtig mit ansehen, wie nicht nur die Juden aus der eigenen Stadt unserer Kleeblattstadt zu beachtlicher Höhe verhalfen.

Überhaupt war die Fürther Wirtschaft harte Konkurrenz: von den Künstlern des Gold- und Silberschmied-Gewerbes über die führende Spiegelindustrie hin zu den Metallwarenfabrikationen. Und der Ansturm der Bevölkerung auf die alljährlichen Starkbierfeste im Fürther Geismannsaal und die Fürther Kärwa ließen die Nürnberger Administration zeitweise sogar ernsthaft über Möglichkeiten zur Sperrung der Stadtgrenze nachdenken, um die "Kapitalabwanderung" zu vermeiden.

Harte Zeiten in diesem Konflikt brachen für Nürnberg 1792 an, als es Preußen gelang die Dreiherrschaft in Fürth zu seinen Gunsten zu beenden. Der spätere preußische Staatskanzler Karl August von Hardenberg tat sich löblich als Förderer der Fürther Wirtschaft und Entwicklung hervor - besonders gern zu Lasten Nürnbergs, welches das damalige Schicksal der meisten freien Reichsstädte, einer katastrophalen Verschuldung, teilte. Sein Plan sah es vor auch Nürnberg preußisch werden zu lassen, was der Rat dort jedoch ablehnte. Von Hardenberg versuchte sie in die Enge zu treiben und gliederte Vororte wie Gostenhof ein. Von letzterem ließ er Anfang des 19. Jahrhunderts zur Schikane Nürnbergs eine teuer gepflasterte Straße nach Fürth bauen, die heutige Nürnberger bzw. Fürther Straße - auf Kosten der Reichsstadt versteht sich. Teils wohl unbewusst schob er die beiden Städte noch näher zusammen. Als 1806 beide Städte ans Königreich Bayern kamen, war Nürnberg auf dem Weg zur politisch wie händlerisch weitestgehend unbedeutenden Kleinstadt. Doch mit der Industriezeit fand man später wieder den Anschluss. Sowohl Nürnberg als auch Fürth ragten nun in diversen Bereichen im ganzen Königreich heraus.

Unter Bürgermeister Franz von Bäumen wurde Fürth 1818 zur Stadt erster Klasse erhoben. Geographisch wuchsen die Städte weiter aufeinander zu und der Effekt wurde 1835 zugespitzt als die erste deutsche Eisenbahn zwischen den verhassten expandierenden Industriestädten errichtet wurde.

Mit diesem "Wand an Wand" wurde der Weg zum Höhepunkt der Auseinandersetzungen geebnet: Anfang der 1920er Jahre liebäugelte Fürths Stadtrat offen mit den Plänen des Nürnberger Oberbürgermeisters einer Eingemeindung Fürths! Schon lange gab es immer wieder Ideen beide Städte zusammenzuschließen. Von Nürnberger Seite hätte man es gerne gesehen Fürth als westliche Stadtteile mundtot anzugliedern und wirtschaftlich zu profitieren. Man hätte mit Fürths 70.000 Einwohnern ( zu Nürnbergs 361.000 Einwohnern) sogar München einholen können, dessen Vormachtstellung in Frage stellen können. Gesamtfränkische Separatisten sahen mit einem Leuchten in den Augen die Chance einen fränkischen Gegenpol zu München zu bilden. Unter maßgeblicher Führung des Fürther Vereins "Treu Fürth" wurden die Pläne 1922 von der Fürther Bevölkerung zum Glück mit überwältigender Mehrheit abgeschmettert. Nürnberg probierte es noch einmal, doch Hitler verwehrte im Zweiten Weltkrieg den in seinen Augen unwichtigen Vorschlägen die Aufmerksamkeit samt Unterschrift.

Die Auseinandersetzungen blieben keineswegs nur dem politischen Parkett vorbehalten. Auf der Dooser Brücke (die Redaktion erinnert bei diesem Ort an das oben erwähnte intelligente Tier im Nürnberger Ratsgewand) attackierte man sich regelmäßig mit freudiger Beteiligung beiderseitiger Militärs und über die besondere Bedeutung des Aufeinandertreffens von SpVgg Fürth und dem FCN müssen an dieser Stelle wohl kaum viele Worte verloren werden.


Fürths große Bürger

Alfred Louis Nathan und Heinrich Berolzheimer wurden schon weiter oben erwähnt, doch die jüdische Bevölkerung Fürths brachte noch mehr herausragende Persönlichkeiten hervor. In der ganzen Welt bekannt waren die Werke des Schriftstellers Jakob Wassermann, der 1873 in der Kleeblattstadt das Licht der Welt erblickte und nicht selten in einem Atemzug mit Thomas Mann genannt wird. Seine Erfahrungen und Erlebnisse verarbeitet er in seinem autobiografischen Werk "Mein Weg als Deutscher und Jude", was jedoch nicht sein einziges Werk im Kampf gegen das Unrecht gegenüber Minderheiten.

Der Name des 1826 in Fürth geborenen Verlegers Leopold Ullstein ist in der Welt der Literatur und Presse bis heute ein Begriff. Ihn zog es nach Berlin wo er 1877 den Ullstein-Verlag gründete, in dem er seine Zeitungen zeitweise mit den modernsten Rotationspressen der Welt drucken ließ. Berühmtester Fürther Jude und zudem SpVgg Fürth Fan dürfte jedoch unbestritten Heinz Alfred alias Henry Kissinger sein. 1923 in Fürth geboren musste der spätere US-Außenminister mit seinen Eltern 1938 nach Amerika flüchten. Dort genoss er als Politiker enorme Popularität, bekam 1973 sogar den Friedensnobelpreis für seine Aushandlung eines Waffenstillstandes mit Vietnam und nur der Fakt das er kein geborener Amerikaner ist verhinderte eine Kandidatur als Nachfolger des Präsidenten Nixon. 1998 verlieh man ihm den Ehrenbürgertitel. Über die Spielergebnisse informiert er sich bis heute wöchentlich.

Am politischen Parkett nicht weniger erfolgreich war der 1897 in der ehemaligen Sternstraße als Sohn eines Woll- und Wäschehändlers geborene Ludwig Erhard. Der "Vater des Wirtschaftswunders" studierte in Nürnberg und Frankfurt Volkswirtschaft und war als Bundeswirtschaftsminister erfolgreicher Verfechter der sozialen Marktwirtschaft. 1963 wurde er Nachfolger des ersten deutschen Bundeskanzler Adenauer. Dieser hatte sich jedoch mit dem Ruhestand nicht abfinden können und sabotierte seinen Nachfolger wo es nur ging. Der große Erfolg blieb dem von der CDU aufgestellten Erhard als Bundeskanzler nicht zuletzt wegen des starken Gegenwindes aus der eigenen Partei, mit der er sich nie wirklich anfreunden konnte, verwehrt.

Einer edlen Tat in den Notzeiten der 20er Jahre verdankt der Fürther Hans Lohnert seine Ernennung zum Ehrenbürger. Der 1867 in der Bäumenstraße geborene Sohn eines Schreinermeisters kam in Berlin bei einer Geschäftsreise für ein Fürther Spiegelunternehmen in Kontakt zu den Gebrüdern Aschinger und wurde schließlich als ihr Freund Direktor des Stehbierhallen-, Hotel- und Konditorei- Imperiums. Als die Stadt nahezu pleite war und wegen des enormen Wachstums- der Südstadt ein neues Sportgelände dringend nötig war, sprang der Direktor der “Aschinger Bierquellen” in Berlin mehrmals mit großzügigen Spenden ein: die heutigen Lohnert- Sportplätze entstanden.


Kleeblatt in Stein

Mit diesem Gelände ist auch schon die Überleitung zum nächsten Kapitel gegeben: den geschichtsgeladenen Gemäuern der Stadt Fürth.

Wenn im Zweiten Weltkrieg die Bomberstaffeln über Fürth hinweg zogen galt ihre verheerende Wirkung zumeist Nürnberg und so blieb Fürth im Zweiten Weltkrieg dessen Schicksal erspart. Mit nur 11% Zerstörung der Bausubstanz gehörte die Kleeblattstadt zu den drei besterhaltenen historischen Städten Deutschlands. Gemessen daran das die zwei anderen Konkurrenten jeweils im Kleid anderer Epochen glänzen, ist Fürth somit mit seinem Stilmix aus Historismus, Neoklassizismus und Jugendstil einmalig.

Zu verdanken ist dies’ unter anderem dem damaligen Oberbürgermeister der sich über alle Anordnungen von Seiten des sterbenden Regimes hinwegsetzte und die Stadt kampflos übergab, als die Amerikaner am 19. April 1945 einzogen. Die herrlichen Vorzeigebauten des 1902 eingeweihten Stadttheaters, des Berolzheimerianums alias heutzutage "Comödie Fürth" sowie des 1840-50 errichteten Rathauses als freie Nachbildung des Palazzo Vecchio, welches in Venedig steht - die dann schöner wurde als das Original - kennt so ziemlich jeder. Zusammen mit dem Nobelboulevard der Hornschuchpromenade und Königswarterstraße stellen sie einige der Prestige-Objekte in den für Fürth so typischen Ensembles dar.

Städtebaulich und geschichtlich Verbrechen nennen kann man dagegen die Geschichts- und Heimatvernichtung der sog. Gänsberg - "Sanierung", dem flächigen Ausradieren einer ganzen Altstadt, nennen. Darüber hinaus seien der Abriss der Post, des alten Krankenhauses, der Durchbruch des Königsplatzes und des Geismann-Areals erwähnt, beispielhaft für zahlreiche vermeidbare Verluste lang nach dem Krieg.

Wer sich für derartiges interessiert, stößt immer wieder auf wenig bekannte Schätze. Nicht viele wissen um das erste Fürther Thermalbad, dass 1911 an der Kurgartenstraße entstand, oder um den Flughafen in Atzenhof, der lange vor seinem Nürnberger Nachfolger als achtgrößter deutscher Zivilflughafen internationale Bedeutung erlangte.

Da wären wir nun einige Kapitel später, hoffend euch mit diesem Kurzabriss ansatzweise eine gewisse Übersicht über den stolzen Werdegang unserer Stadt gegeben zu haben. Eine gewisse Ahnung sollte jeder Kleeblattfan haben, war die Verwurzelung der Spielvereinigung in der Kleeblattstadt doch schon immer besonders bedeutsam. So zeigt das Vereinsemblem diese tiefe Verbundenheit mit dem Kleeblatt aus dem Stadtwappen: Jeder Spieler der SpVgg trug - und trägt es bis heute - stolz auf der Brust.

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